Artenvielfalt und Ernährung sichern

Agrarpolitik als sicherheitspolitisches Risiko

nature solidarity Newsletter Nr. 1

Wann der Krieg im Nahen Osten beendet wird, steht in den Sternen. Sicher ist hingegen, dass Europas Landwirtschaft in einer Erdöl- und Düngerkrise steckt. Und zwar nicht erst, seitdem die Straße von Hormus Kriegschauplatz ist und rund ein Drittel des weltweit gehandelten, energieintensiv hergestellten Kunstdüngers (Ammoniak und Harnstoff) aus der Golfregion nicht durchkommt.

Europas Ackerbau, Gewächshäuser und Tierhaltung hängen buchstäblich am Erdöltropf. Laut Eurostat verbrauchte die europäische Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2023 rund 26,4 Millionen Tonnen Öläquivalent. Pro Hektar (100 m x 100 m) entspricht das etwa 165 kg. Rechnet man den fossilen Energiebedarf für die Herstellung von Kunstdünger und Pestiziden hinzu, sind es sogar rund 300 kg.

Weil Europas Landwirte seit Jahrzehnten zu viel düngen, hat die EU das Ziel ausgegeben, den Einsatz von Kunstdünger bis 2030 um mindestens zwanzig Prozent zu verringern. Forschende verlangen eine deutlich stärkere Reduktion, um die Überdüngung zu beenden.

50.000 LKW-Ladungen zu viel Stickstoff

Allein in Deutschland werden jedes Jahr 1,2 Millionen Tonnen mehr an Stickstoff auf die Felder gebracht, als die Pflanzen für optimales Wachstum benötigen. Das sind 50.000 LKW-Ladungen, von denen der allergrößte Teil in Seen, Flüssen und dem Grundwasser landet; oder als klimaschädliches Lachgas (N2O) in der Atmosphäre.

Die (kriegsbedingt) gestiegenen Preise wären ein Anreiz für den sparsameren Einsatz von Kunstdünger. Die umwelt- und klimaschädliche Überdüngung würde verringert, ohne die Ernten zu beeinträchtigen. So war es im Jahr 2023, als infolge des Kriegs in der Ukraine starke Preisanstiege für Mineraldünger und Pestizide deren Verwendung deutlich verringert hatten.

Überdüngung mit noch mehr Steuergeldern

Doch wir schreiben nicht das Jahr 2030, sondern erst 2026. Zu früh für die Agrarpolitik, um den Landwirten den Überdüngungs-Hahn abzudrehen, zumal die Agrarlobby tatsachenwidrig mit Ernteausfällen drohte. 

Die EU-Kommission hat deshalb Ende April zusätzliche Beihilfen für Landwirte für den Kauf von Mineraldünger und Diesel freigegeben.
Also Extra-Steuergelder, damit die Überdüngung weitergeht, in deren Folge giftige Cyanobakterien, Algen-Teppiche, Sauerstoffmangel und absterbende Pflanzen unsere Bäche, Flüsse, Badeseen und Meeresstrände verschlammen.

Die massive Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossiler Energie wird seit Jahrzehnten – weitgehend folgenlos – thematisiert. 
Diese Abhängigkeit ist nicht nur deshalb fatal, weil sie dem Klima, der Gesundheit und der Artenvielfalt in Böden und Gewässern schadet. Sondern auch, weil sie unsere Ernährungssicherheit gefährdet, unkalkulierbare Preisschwankungen für Landwirte wie Verbraucher verursacht und uns erpressbar macht. 
Die dafür verantwortliche Agrarpolitik ist folglich auch ein sicherheitspolitisches Risiko, das schnellstmöglich beseitigt werden muss.

Mit herzlichen Grüßen
Matthias Wolfschmidt

Kontakt

Matthias Wolfschmidt, Vorstand
+49 (0)151 58178205
presse@nature-solidarity.org

nature solidarity e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die für gesunde Natur durch biologische Vielfalt und stabile Ökosysteme sowie gesunde Nutztiere im gesamten EU-Agrarsektor kämpft. Damit es trotz Klimaerwärmung und zunehmenden Extremwetterlagen in Zukunft stabile Ernten, bezahlbare Lebensmittel für alle und ein gutes Auskommen für die Landwirte gibt.

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