Artenvielfalt und Ernährung sichern
Potemkinsche Pestizid-Reduktions-Fassaden
nature solidarity Newsletter Nr. 3
Seit der Jahrtausendwende stieg die Giftlast für Fische um 300 Prozent, für Bodenlebewesen um 200 Prozent und für Pflanzen um 120 Prozent.
Im Pflanzenschutzgesetz von 2012 ist vorgeschrieben, »die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß (zu) beschränken«. Schädlinge und Krankheiten von Nutzpflanzen sollen durch eine Kombination von Verfahren unter »vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen« in Schach gehalten werden.
Das Ganze nennt sich »integrierter Pflanzenschutz« – und funktioniert offensichtlich nur in der Theorie. Denn in der Praxis wurden seit 2012 – siehe rote Linie in der Grafik – kaum weniger Pestizide verkauft als vorher:
Quelle: Umweltbundesamt, verändert durch rote Linie: nature solidarity
Zudem sollen laut Pflanzenschutzgesetz die »Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für den Naturhaushalt entstehen können, um 30 Prozent bis 2023« sinken (Basis: Mittelwert der Jahre 1996 bis 2005).
Wissenschaftlicher Beirat schlägt Alarm
Doch 14 Jahre nach der gesetzlichen Einführung des »integrierten Pflanzenschutzes« hat sich lediglich das Risiko für Säugetiere um 20 Prozent verringert. Hingegen werden Fische dreifach, Bodenlebewesen zweifach und Pflanzen 1,2-fach mehr vergiftet als vor 25 Jahren. Für Käfer, Fliegen, Bienen, Schmetterlinge und Spinnen ist die Lage gleich geblieben. Das stellte soeben der »Wissenschaftliche Beirat zum Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz« fest, einer von fünf dem Landwirtschaftsministerium zur »wissenschaftlichen Evaluation von Ergebnissen und der Beratung der Entscheidungsträger« dienenden Beiräte.
Zögen die »Entscheidungsträger« daraus ernsthafte Konsequenzen, nähmen die systematische Vergiftung unserer Lebensgrundlagen, das Artensterben und die Gefährdung unserer Ernährungssicherheit nicht stetig zu.
Der »integrierte Pflanzenschutz« und das heutige »Pflanzenschutzgesetz« sind Beispiele für die Errichtung potemkinscher Pestizid-Reduktions-Fassaden.
Während sie uns lediglich täuschen, befördern sie die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.
Make Polluters Pay!
nature solidarity hat einen Vorschlag für eine effektive Reduktion schädlicher Pestizide. EU-weit ginge das am besten durch die Ausgabe von Zertifikaten, deren Anzahl aufgrund der Giftigkeit und der Aufwandmenge je Hektar ermittelt und auf effektive Reduktionsziele ausgerichtet wird. Noch verweigert die Agrarlobby die Debatte darüber.
Mit herzlichen Grüßen
Matthias Wolfschmidt
Kontakt
Matthias Wolfschmidt, Vorstand
+49 (0)151 58178205
presse@nature-solidarity.org
nature solidarity e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die für gesunde Natur durch biologische Vielfalt und stabile Ökosysteme sowie gesunde Nutztiere im gesamten EU-Agrarsektor kämpft. Damit es trotz Klimaerwärmung und zunehmenden Extremwetterlagen in Zukunft stabile Ernten, bezahlbare Lebensmittel für alle und ein gutes Auskommen für die Landwirte gibt.
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