Artenvielfalt und Ernährung sichern
nature solidarity kritisiert den neuen »Dünger-Aktionsplan« der EU
Die permanente Überdosis Dünger für Böden und Gewässer
Pressemitteilung vom 01.07.2026
Mit jährlich 1,2 Millionen Tonnen überflüssigem Stickstoff düngt die deutsche Landwirtschaft ihre Felder. Ein Großteil davon landet in Seen, Flüssen und Grundwasser. Das Umweltbundesamt fordert eine Verringerung der gefährlichen Fracht. Der Deutsche Bauernverband lehnt Verschärfungen des maßgeblichen Düngerechts »grundsätzlich« ab. Und die EU-Kommission? Mit ihrem neuen »Dünger-Aktionsplan« leistet sie der weiteren Überdüngung sogar noch Vorschub.
»Die EU-Kommission ignoriert mit ihrem Dünger-Aktionsplan (Fertiliser Action Plan) die Zeichen der Zeit sträflich: Die permanente Überdüngung ist gesundheits- und klimaschädlich und fördert das Artensterben. Der Plan der EU löst keines dieser Probleme. Stickstoffeinträge müssen gemäß Verursacherprinzip bepreist und ein EU-weites Agrar-Emissions-Handelssystem eingeführt werden«, kommentiert nature solidarity.
Laut der Europäischen Umweltagentur EEA ist »die Landwirtschaft die größter Belastung für die Oberflächengewässer und das Grundwasser«. Gemeint sind Einträge von Pestiziden und Düngemitteln, die auf Feldern und Wiesen ausgebracht werden und durch den Regen in Bäche, Flüsse, Seen und ins Grundwasser gelangen.
50.000 große LKW voller Stickstoff
In Deutschland herrschte im fünfjährigen Mittel ein Stickstoff-Überschuss von 70 kg auf jedem Hektar Agrarland. Das waren 70 kg mehr, als die Pflanzen aufnehmen konnten. Gegenüber 1994 sind das zwar durchschnittlich 40 Prozent weniger, aber es gibt regional große Unterschiede. Besonders hoch ist der Stickstoff-Überschuss in Regionen mit hoher Viehdichte (vor allem in Nordwestdeutschland) und dort, wo Raps, Weizen und Kartoffeln intensiv angebaut werden.
Matthias Wolfschmidt, geschäftsführender Vorstand von nature solidarity: »Landwirtschaft hat eine toxische Beziehung zu Wasser. Die Fixierung auf Höchsterträge und zu viele Nutztiere sind die Treiber der Überdüngung. Giftige Cyanobakterien, Blaualgen-Teppiche, Sauerstoffmangel, Artensterben sowie verschlammte Bäche, Flüsse und Badeseen sind die Folgen. Auf deutschlandweit 18 Millionen Hektar Agrarflächen bringen die Bauern rund 1,2 Millionen Tonnen zu viel an Stickstoff aus. Das entspricht der Ladung von ungefähr 50.000 großen LKWs.«
In Niedersachsen sind laut neuestem Nährstoffbericht die Nitratkonzentrationen bei jeder sechsten Grundwasser-Meßstelle gestiegen, und »einen guten ökologischen Zustand […] erreichen derzeit nur drei Prozent der Oberflächenwasserkörper.«
Das Umweltbundesamt (UBA) fordert, dass »die Stickstoffzufuhr in der Landwirtschaft weiter reduziert und der eingesetzte Stickstoff effizienter genutzt wird«. Der größte Teil der Lachgasemissionen (N2O), die rund zehn Prozent des Treibhauseffekts verursachen, entstammt ebenfalls der landwirtschaftlichen Stickstoffdüngung.
EU-weites Agrar-Emissions-Handelssystem einführen
Matthias Wolfschmidt: »Die EU-Kommission blendet die negativen Folgen der einseitigen Fixierung auf Höchsterträge in der Landwirtschaft für Umwelt, Trinkwasser und Klima in ihrer Agrarpolitik völlig aus. Das zeigt auch der neue Dünger-Aktionsplan. Am effektivsten und effizientesten ist es, Stickstoffeinträge zu bepreisen und ein EU-weites Agrar-Emissions-Handelssystem einzuführen, wie eine Studie des WIFO gezeigt hat.«
Nötig ist es laut nature solidarity stattdessen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für konsequente Düngereffizienz zu schaffen und das Verursacherprinzip anzuwenden. Demnach müssten Stickstoffeinträge in einem EU-weiten Agrar-Emissions-Handelssystem bepreist werden. Landwirte werden dann nach innovativen Lösungen suchen, um mit weniger Dünger gute Erträge kostendeckend zu erzielen. Durch standortangepasste und bodenschonende Bewirtschaftung sowie vielfältige Fruchtfolgen werde der überfällige Ausstieg aus fossilem, klimaschädlichem Mineraldünger gefördert, sagt Matthias Wolfschmidt. Weniger Nutztiere, die besser verteilt werden, brächten zudem eine massive Entlastung.
Kontakt
Matthias Wolfschmidt, Vorstand
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nature solidarity e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die für gesunde Natur durch biologische Vielfalt und stabile Ökosysteme sowie gesunde Nutztiere im gesamten EU-Agrarsektor kämpft. Damit es trotz Klimaerwärmung und zunehmenden Extremwetterlagen in Zukunft stabile Ernten, bezahlbare Lebensmittel für alle und ein gutes Auskommen für die Landwirte gibt.
